Oper in der Ruhrmetropole (Saison 2025/2026)
Hier starte ich am 15.10.2025 mit Rigoletto.
Die momentan noch-"Intendantin" verbschiedet sich (zum Glück!!!!) mit dem wohl schlechtesten Programm, das die Zuschauer jemals in der langjährigen Geschichte ertragen mussten. Einfallsloser geht es sicher nicht mehr. Wie kann man denn beispielsweise ein Musical (Candide) konzertant bringen? Und dann all der unnütze und unbekannte Quatsch. Ich habe einige Karten gebucht, aber längst nicht so viele wie die vielen Saisons zuvor. Es kann - hoffentlich (!) - nur besser werden.
15. Oktober 2025, Rigoletto von Giuseppe Verdi
Von der Inszenierung war ich angenehm überrascht, vorher hatte ich mir vorsichtshalber den Trailer auf der Webseite angesehen. Da gab es optisch schon mal nichts zu bemängeln. Alles passte perfekt zusammen und sah sehr geschmackvoll aus: viel Holz, schöne Sitzgelegenheiten, schicke Kostüme. Fürs Auge sehr angenehm anzusehen.
Szenisch gab es ein paar Sachen, die nicht unbedingt zu verstehen waren, aber durchaus übersehen werden dürfen: Gildas gelbes Kleid war allgegenwärtig, am Ende trug sie keine Männerkleidung, Maddalena war schon vorher in der Nähe des Herzogs. Schwamm drüber, dies verdarb die Vorstellung nicht.
Die Handlung findet in einem Herrenclub statt, Rigoletto ist in diesem Fall der Butler. Aber das passte alles zusammen.
Die Besetzung:
- Duca - Alejandro del Angel - war sehr gut, auch darstellerisch überzeugend (Carlos war aber damals besser!)
- Rigoletto - Claudio Otelli - super gut in jeder Hinsicht
- Gilda - Natalia Labourdette - ausgezeichnet
- Sparafucile - Almas Svilpa - toll wie gewohnt
- Maddalena - Liliana de Sousa - auch richtig gut und überzeugend
- Giovanna - Nataliia Kukhar - sehr gut
- Monterone - Baurzhan Anderzhanov - klasse, leider ist die Rolle viel zu klein
- Marullo - Ricardo Llamas-Márquez (Deutsche Oper Berlin) - sehr überzeugend
- Borsa - Mykhailo Kushlyk
- Graf Ceprano - Sono Yu (Opernstudio) - gefiel mir ebenso gut wie vorige Woche als Colline im MiR
- Gräfin Ceprano - Laura Kriese
- Musikalische Leitung - Andrea Sanguineti
- Inszenierung - Kateryna Sokolova
- Kostüme - Nikolaus Webern
Mir hat der Abend so gut gefallen, dass ich gleich noch zwei Vorstellungen gebucht habe. Die Musik ist ja auch zu schön!
16. November 2025, Rigoletto von Giuseppe Verdi
Am heutigen Abend gab Katerina von Bennigsen die Gilda. Sie gefiel mir auch sehr gut. Eigentlich bemerkte ich zwischen den beiden Damen ohnehin keinen Unterschied. Sie sind beide gleich gut.
Im Dezember sehe ich mir die nächste Vorstellung an.
13. Dezember 2025, Cardillac von Paul Hindemith
Diese Oper war mir bislang völlig unbekannt. Der Inhalt erschien mir doch sehr interessant, und so buchte ich die heutige Vorstellung und habe es nicht bereut.
Cardillac ist ein Genie als Goldschmied, hat aber leider ein etwas gestörtes Verhältnis zu seinen Kreationen. Er meint, sie gehören zu ihm allein. Also begibt er sich nachts auf Raubzug und entwendet den Käufern mittels Mord seine Ware und nimmt sie mit nach Hause. Es dauert lange bis man dahinter kommt, dass Cardillac der Massenmörder ist, wird er doch vom Volk wie ein König ob seiner Genialität verehrt. Seine Tochter lebt bei ihm zu seinem Schutz, auch sie merkt, dass mit dem Vater so einiges nicht ganz stimmt. Sie verliebt sich aber in einen jungen Offizier und ist bereit, von zu Hause fortzugehen.
Der Offizier legt sich auf die Lauer und findet bald heraus, wer der Mörder ist und entlarvt ihn auf seine Weise. Am Ende, nachdem Cardillac öffentlich gestanden hat, nachdem man ihm drohte seine Werke zu vernichten, wählt er den Tod. Schlussendlich nimmt der Offizier ihn vor dem Volk in Schutz und alle feiern Cardillac als Helden. Seine Tochter und der Offizier heiraten.
Die Besetzung:
- Der Goldschmied Cardillac - Heiko Trinsinger - wieder einmal einsame spitze und mega überzeugend!
- Die Tochter - Betsy Horne - sehr schöne Stimme, überzeugende Darstellung
- Der Offizier - Andreas Hermann - er war lange Jahre Ensemblemitglied. Ich habe mich sehr gefreut, ihn wieder zu sehen. Er war wirklich klasse!
- Der Goldhändler - Magnus Piontek - sehr gut
- Der Kavalier - Aljoscha Lennert - ausgezeichnet!
- Die Dame - Astrik Khanamiryan - klasse wie immer
- Der Führer der Prévoté - Andrei Nicoara - sehr gut, wie gewohnt
- Musikalische Leitung - Patrick Lange
- Inszenierung - Guy Joosten
- Bühne und Kostüme - Katrin Nottrodt
- Licht - Jürgen Kolb
Das Bühnenbild ist nüchtern, aber die Kostüme sind sehr schön, passend und elegant. Die Musik: hinreißend!
Ich kann einen Besuch der Oper nur sehr empfehlen.
27. Dezember 2025, Rigoletto von Giuseppe Verdi
Diese vorerst letzte Vorstellung habe ich besonders genossen. Das Haus war super besucht wie früher, die Stimmung wunderbar, das Ensemble und Orchester einfach umwerfend. Ich wünsche mir eine Wiederaufnahme für die nächste Saison.
17. Mai 2026, Parsifal von Richard Wagner
Diese Oper hatte ich schon sehr lange nicht mehr gesehen, das letzte Mail in den 90er Jahren auch hier.
Die zum Teil sehr sakrale Musik umhüllt einen wie eine warme Decke. Einfach nur zum Wohlfühlen. Trotz der Länge kam es mir überhaupt nicht so vor. Wagner darf Längen haben. Nun, ja, Verdi hätte das Thema in der Hälfte der Zeit erzählt, aber unser Richard mag es ausgedehnter, und mit der Musik ist das auch wunderbar.
Hier mal der Inhalt, denn so oft wird die Oper ja auch nicht gespielt.
(Quelle: Wikipedia)
Vorgeschichte
König Titurel, von Gott zum Hüter der Reliquien Gral und Heiliger Speer bestimmt, hatte den Gralstempel errichtet. Der Gral diente als Trinkbecher beim letzten Abendmahl und fing das Blut Christi am Kreuz auf. Mit dem Speer wurde Jesus am Kreuz die Seitenwunde beigebracht. Titurel versammelte Ritter um sich, die, von den Reliquien gestärkt, in die Welt zogen, um für das Gute zu kämpfen. Auch Klingsor bemühte sich, der Gralsgemeinschaft anzugehören, wird jedoch wegen seiner Unkeuschheit abgelehnt. Deshalb entmannt er sich selbst, wird nun aber erst recht abgelehnt. Daraufhin schafft er sich in der Wüste ein Gegenreich: einen Zaubergarten mit verführerischen Frauen. Zu diesen Frauen gehört auch Kundry, eine Reinkarnation einer der Frauen, die Jesus auf seinem Kreuzweg verspottet hatten und die dafür von diesem verflucht worden war, für immer unerlöst die Welt zu durchstreifen.
Nachdem Klingsor mittels seines Zaubergartens mehrere Ritter verführt und so der Gralsgemeinschaft abspenstig gemacht hat, beschließt Titurels Sohn Amfortas, zugleich dessen Nachfolger als Gralskönig, mit dem heiligen Speer bewaffnet gegen Klingsor in den Kampf zu ziehen. Er unterliegt jedoch Kundrys Verführungskünsten und verliert so den Speer an Klingsor, der ihm mit dem (vergifteten) Speer[5] eine Wunde schlägt, an welcher er seitdem entsetzlich leidet, denn die Wunde schließt sich nicht mehr: Mit jeder neuen Enthüllung des Grals, wodurch die gesamte Ritterschaft genährt wird, bricht sie von neuem auf. Eine Prophezeiung verspricht Amfortas, dass ein durch Mitleid wissender reiner Tor ihn einst von seinen Qualen erlösen wird. Kundry, die ihre Taten in Klingsors Dienst bereut, stellt sich in den Dienst der Gralsritter, um für ihre Schuld zu büßen.
I. Aufzug, Waldlichtung und Gralsburg
Erstes Bild des I. Akts in der Aufführung an der Metropolitan Opera, New York, 1903Dauer: 3 Minuten und 17 Sekunden.„Titurel, der fromme Held“: Auszug einer Aufnahme von 1942 mit Hellmuth Schweebs als Gurnemanz und dem HR-Sinfonieorchester unter Otto Frickhoeffer
Auf einer Waldlichtung nahe der Gralsburg weckt Ritter Gurnemanz einige Knappen. Er fordert sie auf, zu beten und das Morgenbad für den dahinsiechenden jungen Gralskönig Amfortas vorzubereiten. Kundry, die geheimnisvoll wilde Helferin der Gralsritter, kommt eilig herbeigeritten. Mit letzter Kraft überreicht sie Balsam für den König. Halb verzweifelt, halb spöttisch bemerkt sie, es werde genauso wenig helfen wie das Heilkraut, das Ritter Gawan bereits gebracht hat. Kundry wird von den Knappen als „Heidin“ und „Zauberweib“ verhöhnt. Nur Gurnemanz nimmt sie in Schutz, als die Knappen spottend fordern, Kundry solle losziehen, um den verloren gegangenen heiligen Speer zurückzuholen. Jetzt erzählt Gurnemanz, dass nach einer Prophezeiung nur ein „durch Mitleid wissender“ reiner Tor den Speer zurückgewinnen und Amfortas damit heilen könne. Denn die Wunde schließe nur derjenige Speer, der sie geschlagen habe.
Die Szene wird durch Lärm vom nahen See gestört. Die Ritter haben einen Knaben gefangen, der mit Pfeil und Bogen einen heiligen Schwan getötet hat. Es ist Parsifal, der Sohn der Herzeleide und des vor seiner Geburt im Kampf gefallenen Ritters Gamuret. Der Knabe wuchs unter alleiniger Obhut seiner Mutter im Wald ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt auf. Er selbst kennt weder seinen Namen, noch weiß er, woher er kommt und wer sein Vater ist. Kundry kennt seine Geschichte und erzählt vom Tod seiner Mutter. Gurnemanz hofft, in ihm den in der Vision des Amfortas angekündigten „reinen Toren“ gefunden zu haben, und nimmt ihn mit zur Gralsburg, während Kundry in einen hypnotischen Schlaf fällt.
In der Gralsburg wird Parsifal stummer Zeuge, wie sich die Ritter mit Amfortas um dessen im Grab lebenden Vater Titurel zur Enthüllung des Grals versammeln. Amfortas beklagt seine Schmerzen, die der Anblick des Grals nur kurz lindern kann. Titurel und die Ritter fordern ihn auf, den Gral zu enthüllen. Der Kelch mit dem Blut Christi leuchtet in einem magischen Lichtschein. Die Ritter nehmen daraufhin das Mahl, Brot und Wein, und verlassen danach gestärkt den Tempel. Parsifal ist nicht fähig, zu all dem, was er sah, etwas zu sagen, und wird von Gurnemanz, der glaubt, sich in ihm getäuscht zu haben, vor die Tür gesetzt. Eine Stimme aus der Höhe wiederholt mit den letzten Klängen der Gralsglocken die Worte der Prophezeiung: „Durch Mitleid wissend, der reine Tor.“
II. Aufzug, Klingsors Zaubergarten
Garten der Villa Rufolo, der Richard Wagner für das Zaubergarten-Bühnenbild inspiriert hat.
Der zweite Akt spielt in Klingsors Zaubergarten. Klingsor, der aufgrund seiner Impotenz gegenüber Kundrys Reizen immun ist, hat es wieder geschafft, Kontrolle über Kundry zu gewinnen, muss sich aber dafür von ihr verspotten lassen. Klingsor beobachtet in seinem Zauberspiegel Parsifal, der sich seiner Burg und dem Zaubergarten nähert, und fordert Kundry auf, ihn zu verführen.
Parsifal wird, als er den Zaubergarten betritt, zunächst von einigen verführten Gralsrittern angegriffen, die er aber im Kampf erschlägt. Klingsors Blumenmädchen beklagen den Tod ihrer Geliebten und fordern Parsifal auf, mit ihnen zu spielen. Parsifal ist zwar von den Blumenmädchen zunächst fasziniert, beschließt dann aber, ihren Verlockungen zu entfliehen. In diesem Moment ruft Kundry ihn bei seinem Namen. Gebannt lauscht der Knabe ihrer Erzählung vom traurigen Schicksal seiner Eltern. Parsifal ist zutiefst erschüttert. Tröstend, aber mit der Absicht, ihn in die Liebe einzuführen, schließt sie ihn in ihre Arme. Während eines langen Kusses erkennt Parsifal blitzartig die Ursache von Amfortas’ Qualen und seine eigene Bestimmung; er wird „welthellsichtig“. Er stößt Kundry zurück, die ihm daraufhin von ihrem Fluch berichtet und ihn anfleht, sie durch seine Liebe zu erlösen. Parsifal widersteht ihrem Werben und verspricht ihr Erlösung vom Fluch, wenn sie ihn zu Amfortas führt. Daraufhin verflucht Kundry ihn und seine Wege – nie soll er den Weg zurück zu Amfortas finden. Ihr Ausbruch von rasendem Lachen und Schreien ruft Klingsor herbei, der den heiligen Speer gegen Parsifal schleudert. Der Speer bleibt über Parsifals Haupte schweben. Er ergreift ihn und schlägt mit ihm das Kreuzeszeichen, woraufhin Klingsor und mit ihm der gesamte Zaubergarten der Zerstörung anheimfallen. Kundry blickt im Zusammensinken auf Parsifal, der ihr im Enteilen noch zuruft: „Du weißt, wo du mich wiederfinden kannst!“
III. Aufzug, Waldlichtung und Gralsburg
Parsifal von Hermann Hendrich
Das Orchestervorspiel beschreibt den Versuch Parsifals, zur Gralsburg zurückzufinden, wobei er aber durch Kundrys Fluch jahrelange Irrfahrten erlebt.
Viele Jahre sind vergangen. Amfortas, der nur noch sterben will, hat sich seit den Ereignissen des I. Aufzuges geweigert, den Gral zu enthüllen. Die Gralsritter haben darüber ihre Kräfte verloren, und Titurel ist gestorben. Gurnemanz lebt nunmehr als Einsiedler im Wald. An einem Karfreitag findet er Kundry in tiefer Ohnmacht im Gestrüpp. Von ihm erweckt erscheint sie völlig gewandelt: sanft, hilfsbereit und schweigsam. Sie will von nun an nur noch dem Gral stumm dienen.
Da erscheint ein Ritter in schwarzer Rüstung. Gurnemanz heißt ihn, mit dem Hinweise auf den heiligen Tag, seine Waffen abzulegen. Nachdem der Ritter seine Waffen und die Rüstung abgelegt hat, erkennt Gurnemanz hocherfreut, dass er Parsifal mit dem heiligen Speer vor sich hat, der zur Gralsburg zurückgefunden hat. Er begrüßt ihn und erzählt vom Zerfall der Gralsgesellschaft. Parsifal bricht daraufhin in verzweifelten Selbstanklagen zusammen, Gurnemanz segnet ihn und salbt ihn zum neuen Gralskönig. Als sein „erstes Amt“ spendet er der heftig weinenden Kundry die Taufe. Staunend nehmen Parsifal und Gurnemanz die in der Vormittagssonne erstrahlende, miterlöste idyllische Natur wahr.
Gegen Mittag kündet Glockengeläut die anstehende Totenfeier für Titurel an, aus deren Anlass Amfortas an diesem Tag noch ein letztes Mal den Gral enthüllen will. Alle drei machen sich auf den Weg zur Gralsburg. Im Tempel hat sich die Gralsritterschaft, den Leichnam Titurels begleitend, versammelt. Amfortas klagt um seinen toten Vater, der durch seine Schuld, weil er den lebenspendenden Gral – zur Beschleunigung seines eigenen Ablebens – nicht mehr enthüllt habe, gestorben sei. Er verweigert erneut die vorgesehene Gralsenthüllung und erfleht verzweifelt seine Erlösung von den Qualen seiner unheilbaren Verwundung: die Ritter mögen ihn töten, dann werde ihnen von selbst der Gral leuchten. Da erscheint der von Gurnemanz und Kundry begleitete Parsifal und schließt endlich mit dem heiligen Speere jene Wunde, die Amfortas einst von Klingsor zugefügt worden war.
Als neuer Gralskönig enthüllt Parsifal endlich wieder den Gral, und aus der Höhe schwebt eine weiße Taube als Zeichen göttlicher Gnade auf ihn herab. Amfortas und Gurnemanz huldigen dem neuen Gralshüter; Kundry sinkt – endlich von ihrem Fluch erlöst – entseelt zu Boden.
Und dies war die in allen Belangen perfekte und hinreißende Besetzung (Hauptrollen):
- Parsifal - Daniel Frank
- Kundry - Bettina Ranch
- Gurnemanz - Friedemann Röhlig
- Amfortas - Heiko Trinsinger
- Klingsor - Almas Svilpa
- Titurel - Andrei Nicoara
Ein wirklich großartiger Opernabend!
09. Juni 2026, Otello von Giuseppe Verdi
Heiko Trinsinger war heute Abend mal wieder in seinem Element als Jago und zog alle Register. Das war so etwas von perfekt wie ich es noch nicht so oft erleben durfte. Jorge de Puerta gab einen tollen Otello und Astrik Khanamiryan eine sehr anrührende Desdemona.
Mit dieser wunderbaren Oper beende ich nun die Saison.
